... newer stories
Dienstag, 11. März 2008
Meeting
novemberregen, 11:19h
Sitzt der da so als ich hereinkomme, dass er hastig-spaddelig aufstehen muss, als ich hereinkomme. Überragt mich um 2,5 Köpfe, "tut mir leid, ich hab kalte Hände" sagt er bei der Begrüßung, schöne Hände hat er aber. Billiger grauer Polyesteranzug, ein zu enger Krawattenknoten, Haare abrasiert, so komplett, mit ein paar kleinen Schnitten auf der Glatze. Schlecht rasiert, sehr schlecht. Keine Ohrringe, aber dafür allein an dem mir zugewandten Ohr schon mindestens 5 Ohrlöcher. Lachfalten in den Augenwinkeln.
Seit einem halben Jahr ist er dabei und von dem, was er macht, hat er keine Ahnung. Wirft mir amerikanische Schlagworte und Konzepte um die Ohren. Ich muss ihn erstmal runterfahren, denke ich mir, und wir reden über die Aussicht, die bei uns ja auch bei schlechtem Wetter gut ist. Über die Bürotürme drumherum, den einen, der entkernt wurde, was man da alles sehen konnte, was man sonst nie sieht. Was man in dem Hotel nebenan alles sehen kann weil die Gäste wohl davon ausgehen, dass die Fenster verspiegelt seien (oder auch nicht und es ist ihnen egal), verkneife ich mir, dazu ist er zu unentspannt. Nur die Bar oben mit den wirklich guten Cocktails und dem Sonnenuntergang auf der Westseite erwähne ich, und selbst das ist schon ein bisschen zu viel und er verspaddelt sich wieder. Also schnell noch die Alte Oper und die Zeil zeigen und bedauern, dass man den Main nicht so richtig sehen kann. Noch einen Kaffee? "Nein, da werde ich zu nervös". Recht hat er, aber das sag ich nicht.
Dann erzähle ich ihm ein bisschen davon, wie wir aufgestellt sind und warum das relevant ist, und er schreibt und schreibt und schreibt, in einer großen Schülerhandschrift mit viel Druck auf dem Kuli, hält die Hand ein bisschen davor damit ich nicht sehe, was er schreibt, oder wie er schreibt? Ich weiß es nicht. Ist ja auch egal. Eine blasse und etwas verknickte Kopie zieht er dann aus der Tasche und referiert die Firmengeschichte, stellt dann das Konzept vor und sagt "ich kenne ja niemanden bei der Konkurrenz, ich weiß nicht, wie die das machen, deshalb erzähle ich einfach mal, wie wir das machen". Ob das ein Köder sein soll, überlege ich, und greife ihn auf: ja, natürlich arbeiten wir auch mit der Konkurrenz zusammen und die Vorgehensweisen sind überall recht ähnlich. Das ist aber gar nicht so wichtig, denn wenn es nicht passt, helfen auch die besten Konditionen nicht.
Was passen muss, sage ich ihm dann auch, ohne amerikanische Phrasen und ganz im Detail. Und er schreibt und schreibt und schreibt. "Das ist aber ganz schön konkret", sagt er dann, und freut sich. Fängt endlich an, richtig zu reden, mit eigenen Worten und eigenen Gedanken. Schreibt nicht mehr, weil es klick gemacht hat, weil das, was ich sage, nicht mehr Informationsabgreifen für die Datenbank ist, sondern jetzt bei ihm ankommt und hängen bleibt. Dribbelt meine Bälle ein bisschen herum bevor er sie zurückkickt. "Da habe ich aktuell nichts", sagt er dann, ein bisschen unglücklich. Da freue ich mich, denn wenn er nun zehn Sachen auf den Tisch gelegt hätte, wäre gleich klar gewesen, dass er kein Wort von dem, was ich gesagt habe, verstanden hat. Und außerdem brauche ich momentan auch gar nichts. Aber wir probieren das mal aus, wenn ich wieder etwas brauche - sage ich ihm und meine es auch. Falls er in dem Job so lange überlebt.
Er sammelt sich zusammen, wir gehen zur Tür, er kramt in seiner Tasche, und reicht mir beinah unauffällig und fast im Hinausgehen einen Schoko-Osterhasen. "Boah - lecker!", sage ich, ehrlich begeistert. Seine Lachfalten kommen zum Einsatz. Dann ist er weg.
Es ist schön, wenn es ein guter Tag ist, wenn es so abläuft, wenn es mir gelingt, die Leute durch das Gespräch zu steuern, so dass am Ende beide mit einem positiven Gefühl rausgehen. Aber es ist auch unglaublich anstrengend. Umgekehrt würde ich das auch gerne mal erleben.
Seit einem halben Jahr ist er dabei und von dem, was er macht, hat er keine Ahnung. Wirft mir amerikanische Schlagworte und Konzepte um die Ohren. Ich muss ihn erstmal runterfahren, denke ich mir, und wir reden über die Aussicht, die bei uns ja auch bei schlechtem Wetter gut ist. Über die Bürotürme drumherum, den einen, der entkernt wurde, was man da alles sehen konnte, was man sonst nie sieht. Was man in dem Hotel nebenan alles sehen kann weil die Gäste wohl davon ausgehen, dass die Fenster verspiegelt seien (oder auch nicht und es ist ihnen egal), verkneife ich mir, dazu ist er zu unentspannt. Nur die Bar oben mit den wirklich guten Cocktails und dem Sonnenuntergang auf der Westseite erwähne ich, und selbst das ist schon ein bisschen zu viel und er verspaddelt sich wieder. Also schnell noch die Alte Oper und die Zeil zeigen und bedauern, dass man den Main nicht so richtig sehen kann. Noch einen Kaffee? "Nein, da werde ich zu nervös". Recht hat er, aber das sag ich nicht.
Dann erzähle ich ihm ein bisschen davon, wie wir aufgestellt sind und warum das relevant ist, und er schreibt und schreibt und schreibt, in einer großen Schülerhandschrift mit viel Druck auf dem Kuli, hält die Hand ein bisschen davor damit ich nicht sehe, was er schreibt, oder wie er schreibt? Ich weiß es nicht. Ist ja auch egal. Eine blasse und etwas verknickte Kopie zieht er dann aus der Tasche und referiert die Firmengeschichte, stellt dann das Konzept vor und sagt "ich kenne ja niemanden bei der Konkurrenz, ich weiß nicht, wie die das machen, deshalb erzähle ich einfach mal, wie wir das machen". Ob das ein Köder sein soll, überlege ich, und greife ihn auf: ja, natürlich arbeiten wir auch mit der Konkurrenz zusammen und die Vorgehensweisen sind überall recht ähnlich. Das ist aber gar nicht so wichtig, denn wenn es nicht passt, helfen auch die besten Konditionen nicht.
Was passen muss, sage ich ihm dann auch, ohne amerikanische Phrasen und ganz im Detail. Und er schreibt und schreibt und schreibt. "Das ist aber ganz schön konkret", sagt er dann, und freut sich. Fängt endlich an, richtig zu reden, mit eigenen Worten und eigenen Gedanken. Schreibt nicht mehr, weil es klick gemacht hat, weil das, was ich sage, nicht mehr Informationsabgreifen für die Datenbank ist, sondern jetzt bei ihm ankommt und hängen bleibt. Dribbelt meine Bälle ein bisschen herum bevor er sie zurückkickt. "Da habe ich aktuell nichts", sagt er dann, ein bisschen unglücklich. Da freue ich mich, denn wenn er nun zehn Sachen auf den Tisch gelegt hätte, wäre gleich klar gewesen, dass er kein Wort von dem, was ich gesagt habe, verstanden hat. Und außerdem brauche ich momentan auch gar nichts. Aber wir probieren das mal aus, wenn ich wieder etwas brauche - sage ich ihm und meine es auch. Falls er in dem Job so lange überlebt.
Er sammelt sich zusammen, wir gehen zur Tür, er kramt in seiner Tasche, und reicht mir beinah unauffällig und fast im Hinausgehen einen Schoko-Osterhasen. "Boah - lecker!", sage ich, ehrlich begeistert. Seine Lachfalten kommen zum Einsatz. Dann ist er weg.
Es ist schön, wenn es ein guter Tag ist, wenn es so abläuft, wenn es mir gelingt, die Leute durch das Gespräch zu steuern, so dass am Ende beide mit einem positiven Gefühl rausgehen. Aber es ist auch unglaublich anstrengend. Umgekehrt würde ich das auch gerne mal erleben.
... link (5 Kommentare) ... comment
... older stories